Ile Rechenberg Staatspreis 2009

Steinwald-Allianz
Gemeinsam mehr erreichen - 16 Kommunen arbeiten für neue Ideen und anstehende Herausforderungen zusammen

Fragmente der Burgruine Weißenstein. Gut erkennbar ist noch der Aussichtsturm.

Auslöser für die interkommunale Zusammenarbeit war das Pilotprojekt „Grenzenlos Radeln im Landkreis Tirschenreuth“ des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums im Jahr 2002. Die beteiligten Kommunen haben erkannt, dass gemeinsames Handeln jeden Einzelnen stärkt. Die Entwicklung der Steinwald-Gemeinden wurde seit dem Mittelalter von der Lage als Grenzregion zu Böhmen bzw. dem heutigen Tschechien geprägt. Mit der EU-Osterweiterung im Jahr 2004 eröffneten sich faszinierende Aspekte für diese Region in der Mitte Europas.

Aus Veränderungen gemeinsam Chancen schaffen

Die vielfältigen Herausforderungen – wie z. B. der Rückgang der Porzellan- und Glasindustrie, die Veränderungen im Tourismus, der Strukturwandel in der Landwirtschaft oder der demografische Wandel – haben die Grenzregion stark beeinflusst. Die naturräumliche Lage mit dem Steinwald als verbindendem Landschaftselement oder den Wahrzeichen der Region, wie z. B. die Burgruine Weißenstein, hat die Kommunen bestärkt, eine interkommunale Kooperation einzugehen. Einer gemeinsamen Klausur im Jahr 2004 folgten die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft und die Erarbeitung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes. Ziel war es, die schwierige wirtschaftliche Entwicklung der Region vor dem Hintergrund der Grenzöffnung nach Osteuropa und der Globalisierung zu bewältigen. Zielstrebig und engagiert gingen die zehn Kommunen ihre Strategie an:
  • Belebung der regionalen Wertschöpfung,
  • Nutzung von Synergien durch Aufgabenteilungen im kommunalen Bereich und
  • gemeindeübergreifendes Zusammenspiel bei touristischen Initiativen.

Grenzenlos Radeln im Landkreis Tirschenreuth

Die Steinwald-Allianz hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich an ihrem Ursprungsthema gearbeitet. Im Naturpark Steinwald und seinem Umfeld wurden 67 km Radwege gebaut, das Waldhaus saniert, mit einer Kleingaststätte ausgestattet und zu einer Informationsstelle der Bayerischen Staatsforsten bzw. des Geoparks umgestaltet sowie weitere touristische Projekte realisiert. Um den Tourismus zu beleben und die Steinwald-Region zu einem Anziehungspunkt für Urlauber zu machen, richtete die Allianz eine gemeinsame Tourist-Informationsstelle ein. Ein professioneller Außenauftritt erhöht zudem den Bekanntheitsgrad der Region.

Kooperationserfolge überzeugen

Nach den ersten Erfolgen der Steinwald-Allianz waren auch die Nachbargemeinden schnell von den Vorteilen einer interkommunalen Kooperation überzeugt. Durch den Beitritt der Gemeinden Brand, Ebnath und Neusorg im Jahr 2007 sowie Immenreuth, Kastl und Kulmain im Jahr 2014 sind nun alle sechzehn Kommunen im westlichen Landkreis Tirschenreuth mit im Boot und stärken ihre Region durch Integrierte Ländliche Entwicklung.

Die langjährige Zusammenarbeit schweißt zusammen und schafft Vertrauen. Das hat sich in der Umwandlung der Arbeitsgemeinschaft in eine verbindlichere Rechtsform niedergeschlagen: Seit 2010 ist die Steinwald-Allianz als Zweckverband organisiert. Eine gemeinsame Geschäftsstelle mit Umsetzungsbegleiter unterstützt die Kommunen bei der Realisierung der Allianz-Ziele.

Gemeinsam auf neuen Wegen

Die Steinwald-Kommunen wollen nicht stehen bleiben. Mit der Fortschreibung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes im Jahr 2015 hat sich die Steinwald-Allianz einen erweiterten Handlungs- und Orientierungsrahmen gegeben. Insgesamt 52 Projekte wurden in den fünf Handlungsfeldern erarbeitet:
  • Interkommunale Kooperation
  • Ortsentwicklung, Daseinsvorsorge und Soziales
  • Ökonomische Entwicklung
  • Touristische Weiterentwicklung
  • Ökologie und Klimaschutz
Jedes Jahr treffen sich die 16 Kommunen zu einem Evaluierungs- und Strategieworkshop: Was lief gut oder schlecht, was hat sich bewährt? Was kann oder muss verbessert und welche Projekte sollen als nächstes bearbeitet werden? So ist die Steinwald-Allianz immer auf dem Laufenden und konnte bereits 25 Projekte auf den Weg bringen und zum Teil abschließen.

Demografische Modelle im ländlichen Raum

Das INTERREG-Projekt „Demografische Modelle im ländlichen Raum“ wurde gemeinsam von den Gemeinden Brand, Ebnath, Pullenreuth, Neusorg und der Stadt Waldershof mit den tschechischen Partnern aus der Mikroregion Konstantinsbad bearbeitet. Ziel des Projektes war, gemeinsam mit den Bürgern und allen wichtigen gesellschaftlichen Akteuren ein Handlungskonzept mit alltagstauglichen und realisierbaren Maßnahmen bzw. Projekten zur aktiven Gestaltung des demografischen Wandels zu erarbeiten.
Die Steinwald-Allianz konzentrierte sich dabei auf folgende Themenfelder:
  • ärztliche Versorgung
  • ungenutzte Flächen bzw. Leerstände
  • Kleinhandelskonzepte
  • betreutes Wohnen und Seniorenpflege
  • gesellschaftliche Teilhabe und bürgerliches Engagement
Damit die Projekte auf alle Kommunen der Steinwald- Allianz übertragen und langfristig umgesetzt werden können, wurden sie in das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept aufgenommen.

Ein wichtiges Thema im Umgang mit den Auswirkungen des demografischen Wandels ist das Projekt „Leerstandsmanagement“. Der erste Schritt war die Erstellung des Vitalitäts-Checks für die 16 Steinwald- Kommunen. Die „Förderoffensive Nordostbayern“ zur Wiederbelebung von Leerständen kam für die Steinwald-Allianz genau im richtigen Moment: zahlreiche Projekte zur Beseitigung von leer stehenden Gebäuden sind schon beim Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz angemeldet.

Regionale Produkte kommen zu den Bürgern

Eine weitere Projektidee aus dem Steinwald hat die Vernetzung der örtlichen Anbieter von regionalen (Öko-)Produkten und Dienstleistungen mit der Bevölkerung zum Ziel. Seit August 2018 ist auch ein Verkaufsfahrzeug in Betrieb, das mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs regelmäßig in die Ortsteile ohne Nahversorgungseinrichtungen kommt und auf seiner Tour die Waren der landwirtschaftlichen Direktvermarkter aufnimmt. Zudem besteht für die Bürger die Möglichkeit, Bargeld abzuheben.

Mit diesen Projektideen konnte die Steinwald-Allianz die Jury des Modellprojekts „Digitales Dorf“ der Bayerischen Staatsregierung überzeugen. Sie wurde als das Projekt mit dem umfassendsten Ansatz beurteilt, auch weil sie Bürger jeden Alters als Zielgruppe hat.

Anerkannte Öko-Modellregion mit dem Ziel: Bioproduktion verdoppeln!

Seit Herbst 2014 ist die Steinwald-Allianz eine von bisher zwölf anerkannten bayerischen Öko-Modellregionen. Ziel dieser Initiative ist die Verdoppelung der Bio-Produktion in Bayern bis zum Jahr 2020 und eine stärkere Nachfrage der Verbraucher nach ökologischen Lebensmitteln aus regionaler Produktion. Der Zweckverband wird dabei vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz unterstützt.

Erfahrene Projektmitarbeiter der Steinwald-Allianz erarbeiten Ziele und Projekte, die passgenau auf die Öko-Modellregion Steinwald abgestimmt sind. Arbeitskreise mit Landwirten, Vermarktern und Gastronomen, Bio-Kochkurse für die interessierte Öffentlichkeit, Bio-Erlebnistouren und die innovative Entwicklung neuer Bioprodukte (z. B. Topinamburbrot, Bio-Mohnöl, Bio-Rinderburger) sind nur einige Beispiele.

Ökolandwirte und an der Umstellung interessierte Landwirte erhalten Hilfe beim Anbau von Sonderkulturen (z. B. Bio-Mohn, Topinambur) oder bei der Wiedereinführung des „Roten Höhenviehs“, einer alten heimischen Hausrindrasse mit bester Fleischqualität. Die „Friedenfelser Betriebe“ stellten als Modellbetrieb 130 ha landwirtschaftliche Fläche auf Ökolandbau um. Sie legen ihre Erfahrungen offen und schaffen mit einem in der Region einmaligem Bio-Lagerhaus beste strukturelle Voraussetzungen für eine regionale Wertschöpfungskette.

Stein & Wald - Info für alle

Ein eigenes Magazin war der große Wunsch der Steinwald-Allianz. Mit einer Auflage von 16000 Exemplaren wird „Stein&Wald“ seit 2016 an die Haushalte der sechzehn Mitgliedsgemeinden verteilt. Mit dem Magazin werden die Bürger über aktuelle Projekte informiert, die Identifikation mit der Region gestärkt sowie die Urlaubsgäste auf Besonderheiten rund um den Naturpark Steinwald hingewiesen.

Ländliche Entwicklung – ein verlässlicher Partner

Das Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz hat den Entwicklungsprozess der Steinwald-Allianz von Anfang an begleitet und z. B. mit Seminaren oder Exkursionen der Schule für Dorf- und Landentwicklung Plankstetten, den Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepten, dem Kernwegenetzkonzept, zahlreichen Dorferneuerungen und Flurneuordnungen sowie Projekten des Wegebaus und des Freiwilligen Landtausches unterstützt. Insgesamt 36 Projekte der Ländlichen Entwicklung sind bereits abgeschlossen, zehn werden aktuell durchgeführt und sieben weitere sind geplant bzw. in Vorbereitung.
Projektträger
Integrierte Ländliche Entwicklung Steinwald- Allianz mit den Kommunen Brand, Ebnath, Erbendorf, Falkenberg, Friedenfels, Fuchsmühl, Immenreuth, Kastl, Kemnath, Krummennaab, Kulmain, Neusorg, Pullenreuth, Reuth b. Erbendorf, Waldershof, Wiesau, alle Landkreis Tirschenreuth

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