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Eußenheim
Vom beengten Kämmerlein zur guten Stube – die unglaubliche Wandlung einer Ortsmitte

Weinfest auf der Freifläche des neuen Dorfplatzes. Musikgruppe steht, während ein Chor für die Gäste singt. Chor und Musik tragen Tracht.

Der Winzerort Eußenheim im Landkreis Main-Spessart legt sich um den Kirchberg, der als Felssporn aus dem Werntal ragt. Nicht umsonst setzte vor über 400 Jahren Julius Echter seine Kirche mit dem charakteristischen spitzen Echterturm hierhin. Alle wichtigen kirchlichen Einrichtungen liegen auf diesem steilen Bergrücken. Aber nicht nur die christliche, sondern auch die politische Gemeinde hat hier wichtige Funktionen konzentriert. So stehen auf engstem Raum Kindergarten, Schule und Rathaus beieinander. Allein aus dieser Beschreibung kann man die Enge der Bebauung spüren. Viel Platz für öffentliche Räume gab es daher nie.

Der Erwerb und Abbruch zweier leer stehender landwirtschaftlicher Anwesen eröffnete den Spielraum für eine innovative Lösung. Während die Autos heute auf einem überdachten Parkplatz stehen und das Ortsbild nicht mehr stören, nutzen die Kinder das begrünte Oberdeck als Spielfläche. Der gewonnene Raum ermöglichte einen zeitgemäßen, multifunktionalen Dorfplatz, der die Attraktivität des Dorfes deutlich verbessert hat.

Innenentwicklung tat not

Auch in Eußenheim zeigten sich die negativen Auswirkungen der demographischen Entwicklung in Form von leer stehenden Häusern, Scheunen, Ställen und aufgelassenen Hofstellen. Ungenutzte Gebäude zerfielen, Raum für eine Weiterentwicklung im Herzen des Ortes fehlte. So viele Probleme der demographische Wandel und der damit einhergehende Leerstand von Gebäuden auch mit sich bringt, so schafft er umgekehrt aber auch Möglichkeiten Visionen zu realisieren, die bei einer steigenden Bevölkerung mit hohem Siedlungsdruck wohl kaum denkbar gewesen wären.

Hohe und vielfältige Anforderungen

Das Dorfzentrum Eußenheims war wenig attraktiv und hatte für das Dorfleben kaum noch Bedeutung. Obwohl fast alle öffentlichen Einrichtungen nahe beieinander sind, gab es keinen Treffpunkt für die Dorfbevölkerung. Die wenigen Freiflächen wie der Schulhof waren meist zugeparkt. Zusätzlich musste für den aktuellen Bedarf eine Kindertagesstätte gebaut werden.

Innovative Lösung für die Ortsmitte

Der Platzmangel in der Ortsmitte erforderte kreative Lösungen, um zusätzlichen Flächenverbrauch am Ortsrand zu vermeiden und dem Funktionsverlust im Zentrum entgegenzuwirken. Die Möglichkeit, zwei leer stehende Hofstellen zu erwerben, brachte der Gemeinde den entscheidenden Impuls. Der Abbruch der Gebäude machte eine zentral gelegene Fläche verfügbar, auf der die Ziele der Gemeinde verwirklicht werden konnten.

Auf dem bisherigen Spielplatz am Kindergarten wurde die neue Kindertagesstätte gebaut. Auf der neuen Freifläche entstand ein multifunktionaler Dorfplatz. In den Hang wurde ein überdachter Parkplatz integriert und auf seinem Dach, als i-Tüpfelchen, das neue Freispielgelände für Kindergarten und Kindertagesstätte gestaltet.

Den Höhenversatz zum Parkdeck im Osten überbrücken große Stufen aus gesägten Muschelkalkblöcken, die sowohl als Sitzmöglichkeit als auch als Bühne genutzt werden können. Die Spielfläche und das darunter liegende Parkdeck schließt ein „Vorhang“ aus Holzlamellen ab, der als Absturzsicherung dient und zugleich dafür sorgt, dass die parkenden Autos das Ortsbild nicht beeinträchtigen. Der Platz beherbergt einen alten Brunnen und eine neue Bushaltestelle mit filigraner Glasüberdachung.

Bühne frei für das Dorfleben

Dorfplaner Bernd Müller zum neuen Dorfplatz: „Mitten im Ort ist eine gute Stube errichtet worden, in der die Dorfbevölkerung jetzt ausgiebig ihren gemeinschaftlichen Aktivitäten nachgehen kann. Für Konzerte, Faschingsveranstaltungen, Advents- und Weihnachtsbasar, ein Weinfest und vielem mehr bot der Platz in der kurzen Zeit seit seiner Fertigstellung im Jahr 2016 einen bestens geeigneten Rahmen. Das Dorfleben kann sich hier neu entfalten, für die Beziehung der Menschen zu ihrem Heimatort sind neue Bande geknüpft. Eußenheim hat jetzt endlich seine Mitte.“

Das Gesamtprojekt wurde von der Diözese Würzburg, der Regierung von Unterfranken, dem Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken und dem staatlichen Bauamt Würzburg gefördert. Hier zeigt sich eindrucksvoll, wie durch eine innovative Planung und konsequente Nutzung der örtlichen Gegebenheiten ein nachhaltiger Beitrag zur Innenentwicklung und zum Flächensparen geleistet werden kann.

Projektträger

Dorferneuerung Eußenheim, Landkreis Main-Spessart