Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
weiter zur Themennavigation|
Ländliche Entwicklung in Bayern| Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten |
Wappen mit Link auf die Startseite des StMELF|
Kopfnavigation: weiter zur Position im Verzeichnisbaum|
Position im Verzeichnisbaum: weiter zum Inhalt|
StMELFLändliche Entwicklung in BayernUnsere InstrumenteDorferneuerung
Inhalt: zurück zum Seitenanfang|

Menschen, Ideen und Aktivitäten vereinen – so wurde aus einem Gegeneinander ein Miteinander

Ascha wurde 2008 mit einem "Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität" ausgezeichnet.

Zudem wurde Ascha bei dem gemeinsam mit dem Bayerischen Gemeindetag veranstalteten Wettbewerb „Dorf vital“ 2007 als Preisträger in der Kategorie „Dörfer mit vielfältigen Ansätzen zur Vitalitätsverbesserung, mit weit fortgeschrittenen Entwicklungsprozessen und bereits umgesetzten Maßnahmen“ ausgezeichnet. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat zu diesem Anlass das Projekt mit folgendem Inhalt gewürdigt:

Noch um 1990 fehlten in Ascha wichtige Voraussetzungen für eine positive Entwicklung. Im Dorf herrschte eher ein Gegen- als ein Miteinander. Zudem stand das Wirtshaus leer, das Rathaus war sanierungsbedürftig, Schule und Kindergarten fehlten, es gab kaum Flächen für Gewerbeansiedlungen, Sportanlagen und Wasserversorgung waren in einem unzureichenden Zustand. Ein enormes Verkehrsaufkommen auf der B 20 mitten durch das Dorf belastete die Menschen. Mittlerweile jedoch kann Ascha einen Einwohnerzuwachs von 28 % und 50 % mehr Arbeitsplätze vorweisen. Was ist in Ascha nun so anders geworden und vor allem: was bewirkte den Wandel?

Bild des Dorfkerns von Ascha mit Kirche, Hauslandschaft und vielen Grünstrukturen. Im Hintergrund kleine Waldinsel im Übergang zu hängiger Agrarlandschaft.

Dorfmitte baulich entwickeln

Aus dem Gegeneinander entwickelte sich mehr und mehr ein Mit- und Füreinander, vor allem dank der 1988 eingeleiteten Dorferneuerung und ihres Grundprinzips Bürgermitwirkung. Dabei formierten sich Arbeitskreise, die durch die Arbeit zur Agenda 21 einen zusätzlichen Anschub erfuhren. Unter fachlicher Anleitung erarbeiteten sie für die Dorferneuerung erste Ziele und Projekte, insbesondere die Reaktivierung der Ortsmitte und das Nutzungskonzept für das leer stehende Gasthaus im Ortskern. Eine Gastwirtschaft sowie Läden und Büros sollten das Gebäude wieder zum Mittelpunkt für das Dorf werden lassen. Auch zeitgemäßes Wohnen in der Mitte des Dorfes erhielt eine hohe Bedeutung: Unter Beachtung des Ziels „flächensparende Bebauung im Zentrum“ entstand dank eines intelligenten Flächenmanagements mitten im Dorf das familienfreundliche und flächensparende Baugebiet „Am Mühlbach“. Zusätzliche Gestaltungsmaßnahmen sowie sanierte und umgenutzte ortsbildprägende Häuser erhöhen – auch Dank vieler freiwilliger Helfer – die Attraktivität in der Dorfmitte von Ascha. Zu einer wesentlichen Verbesserung der Lebensqualität führte die Umgehung von Ascha im Zuge der B 20 – ermöglicht nicht zuletzt durch das Bodenmanagement im Rahmen der Flurneuordnung.

Baukörper (türkis) des Biomasseheizwerkes mit doppelt so hohem Schlot vor Gebäudefront, großem Einfahrtsrolltor, gewölbtem Flachdach über 2/3 der Gebäudehöhe und Belichtung im Übergang der Außenwände.

Energie und Ressourcenschutz

Einen Schwerpunkt in den Entwicklungskonzepten bildete von Anfang an das Thema einer eigenständigen Energieversorgung. Es hat enorme Impulse ausgelöst und zur Gründung einer Solargemein schaft sowie zum Bau eines Bürgersolarkraftwerks geführt. Ein neues Biomasseheizwerk (von Landwirten aus Ascha betrieben) versorgt 60 private Nutzer, fünf Gewerbebetriebe, das Rathaus, die Kirche und die Mehrzweckhalle mit Energie. Als Grundlage für die Planung eines Baugebiets ließ die Gemeinde eine solarenergetische Untersuchung zur optimalen Ausrichtung der Häuser durchführen. Darüber hinaus soll ein Ökobonussystem (reduzierter Kaufpreis des Baugrundes) Bauherren motivieren, Niedrigenergiehäuser zu errichten. Das Ergebnis dieser Anstrengungen kann sich sehen lassen: Heute weist Ascha eine positive Energiebilanz auf und liegt in der „Solarbundesliga“ der Kommunen auf Platz 68. Von all diesen Ideen profitieren nicht nur Menschen und Umwelt, sondern auch die heimischen Handwerker und Gewerbetreibenden, die ihre Betriebe auf die Umsetzung der zukunftsweisenden Ideen ausgerichtet und damit neue Arbeitsplätze geschaffen haben.

Erfolgsrezept: Miteinander und füreinander

In Ascha ist es vorzüglich geglückt, Menschen, Ideen und Aktivitäten zu vereinen. Dies gelang auch beim Umbau der alten Schule, selbstverständlich unter Verwendung baubiologischer Materialien und dem Einsatz regenerativer Energien. Heute ist sie Gemeindehaus und gesellschaftlicher Mittelpunkt. Auch hier haben Bürgerinnen und Bürgern selbst Hand angelegt. Was immer bisher in Ascha geleistet wurde und noch an künftigen Maßnahmen ansteht – das Handlungsprinzip und die Erfolge haben stets die gleiche Methode: Offen miteinander umgehen, gemeinsam Ziele erarbeiten und unter dem Dach des 1998 gegründeten „Zukunftsforums Ascha“ oder in Vereinen wie „Ascha kreativ“ oder „Ascha aktiv“ umsetzen. Zugrunde liegt stets die Rezeptur für erfolgreiche Bürgermitwirkung: Man nehme ... mindestens zehn interessierte Leute, ein klares Ziel, einen engagierten Bürgermeister als Motor, fachliche Betreuung, z. B. durch das Amt für Ländliche Entwicklung oder engagierte Partner … und würze … mit vielen guten Ideen, einer Prise Ehrgeiz … füge hinzu … eine Menge Zeit, das nötige Geld … koche es … auf großer Flamme bei viel Idealismus und Engagement … und serviere mit … Spaß und Unterhaltung.

Arbeitskreis mit sieben Personen sitzt am Tisch und diskutiert über die Zukunft des Dorfes.

Mehrere Kinder stehen rund um ihr neu gepflanztes Bäumchen und freuen sich.

Niedergeschriebene Ergebnisse eines Arbeitskreises am Flipchart. Frau schreibt gerade einen Aspekt auf und zwei Arbeitskreisteilnehmer stehen davor und besprechen bilateral vermerkte Punkte.


Dorferneuerung Ascha, Lkr. Straubing-Bogen, Niederbayern


Zurück zu Dorferneuerung