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Wohnen, mahlen und sägen in der Panzermühle – so wurden Familienerbe und Technikgeschichte bewahrt

Mühle mit Wohnen im Erd-, Ober- und Dachgeschoss. Alle Fenster und Türen haben Sprossen und grüne Fesnterläden. Im steilen Walmdach befinden sich Walmgauben.

Der von der Gemeinde abgelehnte Wunsch der Enkelin, am Ortsrand und in der Nähe zur Mühle der Großeltern ein neues Haus bauen zu können sowie ein Tag der offenen Tür des Jurahaus-Vereins zur Besichtigung sanierter Gebäude waren die Impulse, die seit über 40 Jahren leer stehende Panzermühle zu sanieren. Strukturell ist auch nach der Sanierung des Denkmals eigentlich alles wie früher: In der Panzermühle lebt eine Familie. Der Grundriss des Hauses blieb erhalten. Die Mühle mit ihrer Technik aus dem Jahr 1950 steht und funktioniert unverändert am Ort ihrer Geschichte und auch die wasser- oder strombetriebene Schneidsäge mit Nebengebäude musste nicht anderen Nutzungszwecken weichen. Hauptunterschied zu früher ist: Die Mühle und die Schneidsäge gehen nicht mehr für den Lebensunterhalt, sondern nur noch zu Privatzwecken in Betrieb.

Kraftquelle Planung

Im Tal der Anlauter stehen viele Mühlen, sechs davon im Gemeindegebiet Nennslingen. Eine davon ist die Panzermühle mit ältesten urkundlichen Erwähnungen aus dem Jahr 1435. Ab 1507 begann die Ära des Familienbesitzes Panzer. Das heutige Bauerbe und Baudenkmal stammt aus dem Jahr 1844, und die Bauherren haben es nun wieder in ein Schmuckstück verwandelt. Stimmen von Freunden und Handwerkern auf dem Weg dorthin lauteten: „Was habt ihr euch da bloß angetan?“. Überraschend für die Bauherren war aber letztendlich doch „nur“ die längere Bauzeit. Mit der Planung wurde das heutige Wohnkonzept mit dem Abbruch der nachträglich eingezogenen Wände und des Stalles zugunsten einer Terrasse erreicht. Darüber hinaus war die Planung vor allem auch die Grundlage für die Kraft und den Willen, ein solches Projekt zu stemmen. So resümiert die Bauherrin heute dazu: „Über die zwar lange, aber durchdachte Planung hatte ich mein Ziel verinnerlicht und bei unvorhergesehenen und mühseligen Sanierungsarbeiten immer das künftige Bild der Mühle und das Leben mit der Familie darin vor Augen.“

Denkmalschutz und zeitgemäßes Wohnen

Allein an der massiven Holztreppe waren drei Wochen Arbeit erforderlich, um sie komplett auszubauen, zu laugen, zu konservieren und wieder unverändert einzubauen – mit ihrem markanten „Lebenszeichen Knarzen“. Weitere aufwändige Eigenleistungen waren nötig, um das Dach neu zu decken, die Firste zu mauern, durchhängende Sparren zugunsten planer Dachflächen auszugleichen, Sparrenfelder zu isolieren und Außenwände zu verputzen. Wichtigste Stütze bei diesen Arbeiten war ein Maurer aus der Verwandtschaft der Bauherrin, der das Projekt stets mit Tat und Rat förderte. Viel Liebe zum originalgetreuen Detail galt dem schönen alten Kachelofen. Er wurde in Eigenleistung abgebaut und von einer Fachfirma nach der Installation der neuen Ofentechnik entsprechend den nummerierten Kacheln wieder originalgetreu aufgebaut. Vergeben wurden die Leistungen für die Elektround Sanitärinstallation, eine moderne Heizanlage mit Wand- und Fußbodenheizung, den Einbau der Eichenholzböden, das Schleifen und Streichen alter Türen, die Ergänzung des gut erhaltenen, liegenden Dachstuhls um vier Stehgauben mit Walm, den Einbau neuer Fenster und Fensterläden sowie einer Turbine zur Stromerzeugung mit Wasserkraft.

Wir Kinder von der Panzermühle

Das Bauherrenehepaar vor der zweiflügeligen, sanierten und beige und weinrot gestrichenen Haustüre mit alten Beschlägen.

Dielenbereich mit einem Fußboden aus Holzdielen. Ins Obergeschoss führt eine Stahlwangentreppe mit Holztrittstufen.

Zwei Mühlen mit ihren viereckigen trichterförmigen Mahlbottichen.


Heute sind Staub und Mühen während der Sanierung einem Wohlfühlen in herrlichem Ambiente gewichen. So vermitteln der Bauherrin die dicken Außenmauern mit schrägen Laibungen und tiefen Fensterbänken eine besondere Geborgenheit. Die beiden Kinder haben ihr neues Heim rasch angenommen und fühlen sich in der Panzermühle wie die „Kinder von Bullerbü“. Und die ganze Familie schätzt die wohlige Wärme des Kachelofens, besonders in der Wohnküche, die zum Lebensmittelpunkt geworden ist.

Mühlräder stehen nicht still

Wie früher wird jeder Gast des Lehrerehepaares beim Eintritt durch die restaurierte Haustüre mit einem lauten Glockenschlag an den einstigen Mühlenbetrieb erinnert. Und bekanntermaßen steht ein Mühlrad auch nicht still. Die 10jährige Planung der Familie sieht vor, das derzeitige Eisenmühlrad zu ersetzen. Der Vater der Bauherrin hat das Eichenholz dafür schon gekauft, um den Wasserantrieb aufgrund von alten Zeichnungen und nach seinen Erinnerungen aus der Kindheit originalgetreu nachzubauen. Und vielleicht wird ja auch die Agenda des Lehrerehepaares fortgeschrieben z. B. um „Erlebte Physikstunde – Mechanik und Wasserkraft sowie Stromerzeugung in der Panzermühle“.


Dorferneuerung Nennslingen, Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen, Mittelfranken


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