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Am einstigen fürstbischöflichen Schafhof ist alles wieder im Lot – so wurde aus Liebe zu alten Dingen ein Schmuckstück

Saniertes ehemaliges Wohnstallhaus mit steilem Satteldach und drei Schleppgauben. Die Außenmauern sind mit Lesesteinen gemauert. Die Fenster haben Sprossen, Sandsteingewände und grüne Läden.
Alter Zusand der nach rechts hängenden Giebelwand und der anschließenden, etwas abgedeckten Dachfläche. Zum Ausrichten ins Lot steht links eine Stützkonstruktion aus Holz.
Sanierung der Lehmdecke im ehemaligen Futterkeller. Der Sohn des Bauherren bringt den Lehm über Kopf und mit den Handrücken schichtweise auf.
Es ist festlich und einladend angerichtet im sanierten und restaurierten ehemaligen Futterkeller, dem heutigen Familienfestraum.

„Die Giebelwände werden nur durch das relativ schadhafte Dachtragwerk gehalten; es besteht Einsturzgefahr. Im Zuge einer Sanierung wird die Ausrichtung der Giebelwände in die Vertikale als möglich erachtet.“ So lautete das Gutachten für das 1621 erbaute Wohnstallhaus des denkmalgeschützten Steinbachshofes, genannt Schafhof, nach 45 Jahren Leerstand. Doch wer wie das Bauherrenehepaar alte Dinge liebt, lässt sich von solchen Befunden nicht entmutigen, auch weil der Schafhof die heutigen stolzen Besitzer schon im Jahr 1972 bei dessen Versteigerung durch die Schäfereigenossenschaft interessierte. Doch damals stand schon der Rohbau für das Heim der Familie in Arnstein.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Die Liebe zum denkmalgeschützten Schafhof war aber vorerst nur aufgeschoben. Erster Zwischenschritt war die Heimatverbundenheit des in München lebenden Bruders, der den Hof ersteigerte, danach aber das Wohnstallhaus unberührt ließ. Er baute sich die Hälfte des ehemaligen Schafstalls zur Ferienwohnung um und übergab das Anwesen 1995 an den heutigen Eigentümer. Später ließ er sich auch das Wohnrecht ablösen. Nun war der Hof in guten und zielstrebigen Händen. Entlang eines Weges der Flurneuordnung begann der heutige Eigentümer 1997, das Grundstück mit Strom, Wasser und Telefon zu erschließen. 2002 baute er den ehemaligen Schweinestall zu ersten Nutz- und Aufenthaltszwecken um. 2008 bezog das Ehepaar das sanierte Wohnstallhaus, und der Sohn kehrte mit seiner Familie in sein Elternhaus zurück.

Bauteam Vater und Sohn

So feierte die Bauherrin dieses Jahr einen runden Geburtstag bereits im Familienfestraum des Schafhofes. Besonderes Ambiente gaben die liebevoll restaurierten Bruch- und Lesesteinwände, die der Bauherr mit einer Stahlbürste bearbeitete, überwiegend neu verfugte und durch vorsichtiges Sandstrahlen an die vorhandene Patina der Steine anpasste. Den Bodenbelag bilden Sandsteinplatten aus einem abgebrochenen Haus im Dorf. Diese fachmännische, liebevolle und denkmalgetreue Sanierung und Umnutzung des ehemaligen Futterkellers im abbruchreifen Wohnstallhaus ist allerdings nur ein kleiner Teil der rund 12 000 geleisteten Arbeitsstunden von Vater und Sohn. Meterweise wurde unter ca. einem Drittel der Grundmauern aufgegraben, um den Baukörper auf Fundamente zu setzen. Mauerwerk, das von Ammoniak geschädigt, verwittert oder mit Fremdmaterial ausgebessert war, ist originalgetreu mit Lesesteinen und Kalkmörtel saniert. Eine eingearbeitete Sperre verhindert aufsteigende Feuchtigkeit in das Grundmauerwerk. Die Balken der Hochparterredecke wurden trotz zahlreicher morscher Auflager nicht kurzerhand ausgewechselt, sondern ab dem guten Kern durch Anschäften ergänzt. Die schadhafte Lehmdecke im Erdgeschoss wurde in Handarbeit schichtweise ausgebessert. Neu ist die Lehmdecke des Obergeschosses.

Hervorragendes Raumklima

An den Innenwänden ist ein mehrlagiger wärmedämmender Putz aus natürlichen Materialien aufgebracht, u. a. mit Ziegelsteinmehl, mit dem auch schon die alten Römer bauten. Dazu kommen eine Fußbodenheizung und ein Kachelofen. Insgesamt stellt der Bauherr fest: „Wir haben ein super Raumklima!“. Energiequelle ist eine Erdwärmepumpe mit einem Flächenkollektor auf einer Fläche von einem Hektar. Den hohen Wirkungsgrad dieser Heizung unterstützt ein Wasseraufsatz auf dem Kachelofen, der heizungsunterstützend die Abwärme in zusätzliche Energie umwandelt.

Fürstbischöflicher Schafhof wieder im Lot

Nachdem die ins Gebäude hängenden Giebelwände wieder ins Lot gebracht waren, blieben Öffnungen zur Dachfläche. Obwohl weitere Arbeiten erst in zwei Jahren vorgesehen waren, wurde zur Vermeidung weiterer Schäden an der Bausubstanz ohne zu zögern das neue Dach für das Wohnstallhaus in Auftrag gegeben. Der Wunsch und die Vorfreude auf das neue Heim wuchsen. Zug um Zug wurde die Sanierung fortgeführt, vor allem mit Arbeiten, die nicht in Eigenregie erledigt werden konnten, wie z. B. für Sandsteingewände, Kastenfenster, Fensterläden, Heizung und Sanitär.

Der Schafhof ist der einzige „überlebende“ von drei fürstbischöflichen Schafhöfen in Büchold aus dem 15. Jahrhundert, die bis Ende des 18. Jahrhunderts Schäfereien waren. Danach pachteten Bücholder Bauern die Höfe, gründeten eine heute noch bestehende Schäfereigenossenschaft und betrieben bis 1969 die Schäferei. Jetzt wollen die Bauherren ein denkmalgeschütztes Hofportal aus dem Dorf retten und mit Zustimmung der Denkmalbehörde in das Anwesen integrieren. In Planung sind auch die Reaktivierung und Umnutzung der 400 Quadratmeter großen, denkmalgeschützten Schafscheune sowie eine Schafhaltung in kleinem Rahmen.

Dorferneuerung Büchold-Sachserhof, Lkr. Main-Spessart, Unterfranken

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