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Ländliche Entwicklung in Bayern| Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten |
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Wasserrückhaltung in der Landschaft – so schützen Retentionsräume Dörfer vor Hochwasser

Foto: Feuerwehrleute und Bürger erhöhen das Bachprofil durch Sandsäcke, damit die parallel laufende Straße und angrenzende Häuser nicht überflutet werden.
Foto: Ein Bach ist über die Ufer getreten: Für ein nahestehendes Haus darf der Wasserpegel nicht weiter steigen.

Das Hochwasserereignis im Jahre 2002 hat in einigen Gemeinden des Auerberglandes hohe Schäden durch überflutete Dörfer verursacht. Dieses Ereignis gab den Impuls für ein Hochwasserschutzkonzept, zu dem bereits seit dem Pfingsthochwasser 1999 Überlegungen angestellt worden waren. Entstanden ist seither ein landschaftsgebundenes Konzept zur Wasserrückhaltung im Auerberglandgebiet, das bei Starkregenereignissen oder tagelangem Dauerregen den raschen Wasserabfluss aus der Landschaft in Bäche und Flüsse mindert. Die Rückhaltemaßnahmen im Kooperationsgebiet auf einer Gesamtfläche von 250 km² sind nicht zuletzt dort notwendig, wo augenscheinlich keine unmittelbare Hochwassergefahr besteht. Das heißt: nicht Betroffene müssen Verständnis für Betroffene aufbringen. Dass es trotzdem gelang, ein Hochwasserkonzept zu erarbeiten, ist auf die sehr guten Erfahrungen zurückzuführen, die die verantwortlichen Gemeinden bereits seit vielen Jahren bei der Integrierten Ländlichen Entwicklung Auerbergland im interkommunalen Ansatz gesammelt haben.

Das hydrologisch berechnete Hochwasserschutzkonzept wurde aufgrund simulierter Abflussgeschehen mit Unterstützung der Ländlichen Entwicklung und in einer Kooperation mit der Wasserwirtschaftsverwaltung erstellt. Nun liegt eine Pilotstudie vor. Danach kann allein durch fast 1.800 kleinere Maßnahmen ein Rückhaltevolumen von ca. 0,57 Mio. m³ entstehen. Zusammen mit 52 größeren, auf 100-jährliche Hochwasserereignisse ausgelegte Maßnahmen mit 1,73 Mio. m³ Rückhaltevolumen ergeben sich insgesamt 2,3 Mio. m³ Wasserrückhaltung in der Landschaft. Für einige Dörfer im Auerbergland würde damit ein Schutz von einem 100-jährlichen Hochwasserereignis erreicht. Gemeinsam mit den interkommunalen Kooperationen im Donaumoos und im Freisinger Moos soll ein Leitfaden erarbeitet werden, mit dessen Hilfe die Nutzungsentschädigungen für die beanspruchten landwirtschaftlichen Flächen ermittelt werden können.

Die Verwaltung für Ländliche Entwicklung wird die Gemeinden bei der Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes in der Landschaft unterstützen. Über Verfahren der Flurneuordnung kann der Bau der Rückhalteanlagen bodenordnerisch und finanziell unterstützt werden. Den Flächenbedarf für Dämme und Retentionsräume wollen die Gemeinden mit den Eigentümern im Wege der Vereinbarung, des Tausches oder des Erwerbs bzw. durch Nutzungsentschädigungen regeln. Sofern erforderlich wird der Grundbedarf auch durch das Bodenmanagement in der Flurneuordnung in einem weiträumigerem Ansatz bereitgestellt. Die Verwaltung für Ländliche Entwicklung will darüber hinaus die Erkenntnisse dieser Pilotstudie für den Hochwasserschutz in Bayern nutzen und dazu beitragen, dass Hochwasserschutzkonzepte verstärkt durch Flurneuordnung in der Landschaft ansetzen können.

Integrierte Ländliche Entwicklung Auerbergland, Lkre. Ostallgäu und Weilheim-Schongau, Schwaben bzw. Oberbayern