Luftbild der Donauschleife bei Osterhofen im Lkr. Deggendorf mit Ortschaften und Agrarlandschaft.

RSS-Feed Pressemitteilungen des StMELF

Immer aktuell informiert über die Pressemitteilungen des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF).

Aufruf des Presse-RSS-Feeds

Aktionsprogramm Bayerwald
Fünf Landkreise ziehen an einem Strang und gründen die Integrierte Ländliche Entwicklung Bayerwald

Im Rahmen des „Aktionsprogramms Bayerwald“ haben sich zum ersten Mal in Bayern fünf Landkreise für eine Kooperation im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) der „ILE Bayerwald“ entschieden, mit dem Ziel Entwicklungsimpulse für ihre Region zu setzen und die gesamte Region Bayerischer Wald über politisch-administrative Grenzen hinweg zukunftsfähig zu gestalten. Die fünf Landkreise Regen, Straubing-Bogen, Deggendorf, Freyung-Grafenau und Passau gehen viele Themen jetzt gemeinsam an.

Grundstein und Entwicklung

Der Grundstein für das Aktionsprogramm Bayerwald wurde bereits im März 2011 gelegt. Rund 200 Vertreter aus Kommunalpolitik, Wirtschaft, Schulen sowie Behörden, Verbänden und Institutionen der Landkreise Regen und Freyung-Grafenau haben bei einem Landkongress nach Perspektiven für die Region Bayerischer Wald gesucht. Unter dem Motto „Anpacken statt Abwarten“ wurden auf dem „Marktplatz der Ideen“ Handlungsansätze für die nachhaltige Entwicklung der Region erarbeitet. Ideen und Ansätze gab es viele. Gleichzeitig wurde jedoch der Bedarf nach einer „Drehscheibe“ artikuliert, welche die vorhandenen Ansätze bündelt und zur konkreten Umsetzung kanalisiert.

Endgültigen Anstoß für das "Aktionsprogramm Bayerwald" gab letztendlich der Auftrag des Bayerischen Staatsministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Helmut Brunner (2012) an die Ämter für Ländliche Entwicklung, gemeinsam mit den Kommunen „Visionen 2030“ für den ländlichen Raum zu erarbeiten. Dazu haben die Ämter in ganz Bayern zehn Regionalkonferenzen durchgeführt. Bei der bayernweit ersten Konferenz in Grafenau im Bayerischen Wald (Januar 2013) wurde gemeinsam mit den kommunalen Vertretern der Region das Aktionsprogramm Bayerwald, das erste dieser Art in ganz Bayern, initiiert.

Das Aktionsprogramm Bayerwald ist ein Netzwerk aus regionalen Akteuren und beschäftigt sich mit allen Aspekten der Integrierten Ländlichen Entwicklung im Bayerischen Wald. In diesem Zusammenhang spielen Themen wie Wirtschaftsentwicklung, Tourismus, Mobilität, Innenentwicklung, Baukultur, Bildung, Seniorenpolitik sowie Image und Kommunikation eine wichtige Rolle. Hier fließen das Wissen und die Erfahrungen der Akteure aus den unterschiedlichen Verantwortungsbereichen und Sektoren zusammen, um letztendlich in konkreten Projekten zu münden.
Durch die Gründung der ILE Bayerwald mit allen fünf beteiligten Landkreisen im Februar 2015 wurde zudem ein politisches Gremium geschaffen, das über die Umsetzung der Projektvorschläge entscheidet. Außerdem ermöglicht die Gründung der ILE Bayerwald die Anwendung der entsprechenden Förderrichtlinien der Integrierten Ländlichen Entwicklung. Die Handlungsfähigkeit innerhalb des Aktionsprogramms wurde so verbessert und die Zusammenarbeit der Akteure effektiver gestaltet. Ausgewählte Impulse werden auf ihrem Weg von der Idee zum Projekt in Expertenrunden konkretisiert.

Im Folgenden werden ausgewählte Schwerpunktthemen näher aufgezeigt.

Leerstand und Innenentwicklung

Deckblatt einer Broschüre mit blauen und orangen Akzente. Der Titel lautet „Chance Le_rstand“
Immer wieder werden Leerstände mithilfe der Ländlichen Entwicklung und der Städtebauförderung „umgenutzt“ und werten ihr Umfeld optisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich auf. Diese „Best-Practice“- Beispiele machte sich das Aktionsprogramm Bayerwald zunutze und erstellte eine Broschüre unter dem Motto „Chance Leerstand“, die kommunalen und privaten Bauträgern praxisbezogene und kreative Lösungen für den Umgang mit dem Problem Leerstand aufzeigt. Die Broschüre ist auf Anfrage beim Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern erhältlich.

pressestelle@ale-nb.bayern.de

Vorgestellt wurde die Broschüre im Juli 2015 auf dem vom Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern veranstalteten 1. Niederbayerischen Leerstandskongress, bei dem Bürgermeister aus ganz Niederbayern die verschiedenen Blickwinkel der Fachreferenten auf das Thema Leerstand aufgezeigt bekamen.
Das Aktionsprogramm Bayerwald will künftig mit verschiedenen Beratungsangeboten und Aktionen den Prozess der Ortskernaufwertung weiterhin unterstützen. Die konkrete Umsetzung wird dann über Instrumente des Amtes für Ländliche Entwicklung Niederbayern und der Regierung von Niederbayern unterstützt.

Fördermittelberatung

In der Region Bayerischer Wald gibt es eine große Vielfalt an guten Ideen und Impulsen. Projekte im ländlichen Raum brauchen aber auch eine solide finanzielle Basis. Die große Vielfalt an Förderprogrammen, die oft schwer durchschaubare Informationslage und die große Distanz zu den Kontaktstellen führen häufig zu großen Hemmnissen und Vorbehalten bei den Akteuren vor Ort, sich tatsächlich für Förderungen zu bewerben und diese Finanzmittel so auch in die Region zu holen. Aus diesem Grund wurde im Rahmen des „Aktionsprogramms Bayerwald“ eine Beratungsstelle initiiert. Hierfür stellt Staatsminister Helmut Brunner zwei Projektstellen zur Verfügung. Das Umsetzungskonzept wurde in enger Zusammenarbeit mit der Regierung von Niederbayern und der EUREGIO Bayerischer Wald - Böhmerwald - Unterer Inn erstellt. Es soll, wie von Vertretern aus der Politik vielfach angeregt, dabei helfen europäische wie auch andere Fördertöpfe stärker auszuschöpfen und für den Bayerischen Wald zu nutzen.

Das Beraterteam soll erste Anlaufstelle vor Ort sein und Orientierungshilfe geben im sprichwörtlichen „Förderdschungel“. Damit soll der Weg für eine erfolgreiche Bewerbung in den Programmen geebnet werden. Hierbei stehen weitreichende Kenntnisse regionalspezifischer Charakteristika genauso wie persönliche Kontakte in der Region und in den Förderinstitutionen im Vordergrund. Eine regionale Plattform also, die als Bindeglied zwischen den Ideen in der Region und bayerischen, nationalen und europäischen Fördergebern fungiert.

Mobilität

Die Sicherstellung der Mobilität ist ein entscheidender Schlüsselfaktor für die Standortqualität „Bayerischer Wald“. Um den heutigen Anforderungen des ÖPNV-Angebots gerecht zu werden haben sich die vier Landkreise Deggendorf, Freyung-Grafenau, Regen und Passau für die Erstellung eines Gesamtkonzepts Bayerwald-Tarif entschieden.

Das Ziel ist die Vereinheitlichung der Tarifstruktur im ÖPNV. Derzeit gestaltet sich die Tarifpolitik in den vier Landkreisen sehr uneinheitlich, so dass sich bei der Nutzung der landkreisüberschreitenden Mobilitätsangebote oft unnötige Hemmnisse ergeben.
Mit einem einheitlichen gemeinsamen Bayerwald-Tarif will man diesem Problem begegnen. Neben der Entwicklung des Wabentarifkonzepts für die vier Landkreise sollen gleichzeitig die wichtigsten landkreisübergreifenden Verkehre im ÖPNV untersucht und wenn möglich durch Anpassungen von Taktung und Route optimiert werden. Eine potentielle spätere Einbindung der Grenzregionen auf tschechischer Seite soll dabei von Anfang an Berücksichtigung finden. Das gemeinsame Wabentarifsystem ist ein erster, aber grundlegender Schritt für die Verbesserung des ÖPNV im gesamten Projektraum. Landkreis-, ILE- und gemeindespezifische Konzepte zur Nachverdichtung des öffentlichen Personennahverkehrs können daran anknüpfen.

Netzwerk Senioren- und Behindertenbeauftragte

Die Senioren- und Behindertenbeauftragten der fünf Landkreise haben sich unter der Federführung des Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen. Den Beteiligten geht es dabei hauptsächlich um einen intensiven Erfahrungsaustausch, die Erweiterung von spezifischem Fachwissen, verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung der Bevölkerung für seniorenpolitische Themen.

So hat sich das Netzwerk unter anderem zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit und die Verwaltungen für die Notwendigkeit der Barrierefreiheit zu sensibilisieren. In regelmäßigen Treffen werden beispielsweise Antworten auf Fragen zum barrierefreien Straßen- und Wegebau erarbeitet. Außerdem soll eine gezielte Hilfestellung bei der altersgerechten und barrierefreien Planung und Gestaltung im privaten Bereich gegeben werden. Weitere Themen, die im Netzwerk bearbeitet werden sind Formen der Pflege, Wohnen im Alter oder die gesellschaftliche Teilhabe von Senioren. Ergebnis der Zusammenarbeit ist auch die vom Aktionsprogramm unterstützte Messe „SENIORita - die Messe für die besten Jahre im Leben“ in Deggendorf. Diese ist die größte Veranstaltung in Südostbayern dieser Art, die ihren Fokus auf die Altersgruppe 50, 60, 70 plus legt.

Image und Kommunikation

Das Thema Kommunikation wird als zentraler Faktor für die erfolgreiche und nachhaltige Umsetzung von Planungs- und Entwicklungstätigkeiten im ländlichen Raum gesehen. Deswegen startete 2015 mit der ILE Gründung das Modellprojekt „Strategische Kommunikation im ländlichen Raum“, dessen Ziel es ist, die Entwicklung des ländlichen Raumes kommunikativ mit zu gestalten. Es dient außerdem der positiven Kommunikation der Fachthemen rund um die ILE Bayerwald.

Dabei geht es einerseits um eine positive Image- und Bewusstseinsbildung innerhalb und außerhalb der Region, andererseits um den Dialog und Verständigungsprozess zwischen einer Vielzahl von Akteuren. In einem ersten Schritt wurden laufende Kommunikationsprozesse der ILE Bayerwald analysiert und Strategien und Maßnahmen entwickelt. Unter der Verbundmarke „Bayerischer Wald. Die Heimatregion“ werden bereits seit Ende 2015 die ersten Projekte aus diesem Konzept umgesetzt. Das Ziel: Eine Art digitale Visitenkarte des Landkreiszusammenschlusses schaffen. Ein Webauftritt bietet unter www.dieheimatregion.bayern zahlreiche Informationen rund um die ILE sowie einen interaktiven Blog. Ein weiterer digitaler Auftritt der „Heimatregion“ findet sich auf Facebook. Hier werden vor allem besondere Menschen, Aktivitäten, Orte und engagierte Unternehmen vorgestellt – alles was den "Bayerischen Wald. Die Heimatregion" ausmacht.

Partnerschaftliche Kooperation

Bei der Übernahme von Verantwortung für eine Region geht es auch darum, win-win-Situationen für alle beteiligten Partner zu schaffen und dadurch im globalen und regionalen Standortwettbewerb besser bestehen zu können. Das heißt, die Stärken der einzelnen Teilräume aufzudecken und daraus einen gemeinsamen Nutzen zu ziehen. Zentraler Faktor für den Erfolg einer derartigen Kooperation, ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit der Akteure auf Augenhöhe und die volle Unterstützung des Netzwerkes durch die politische Führung. Dann können derartige partnerschaftliche Kooperationsformen die Chance bieten, die Potenziale und Stärken der Teilräume zu bündeln und zu vernetzen und damit ihre überregionale Bedeutung steigern.
Projektträger
Landkreise Deggendorf, Straubing-Bogen, Freyung-Grafenau, Regen und Passau
Weiterführende Informationen

Homepage des Aktionsprogramms Bayerwald Externer Link