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Fachinformationen Ländliche Entwicklung
Maßnahmen zum Gewässerschutz in der Ländlichen Entwicklung

Die Maßnahmen in Steinsdorf und Zips stehen beispielhaft dafür, wie mit der Ländlichen Entwicklung der Boden- und Gewässerschutz verbessert werden kann. Damit wird das Aktionsprogramm der Bayerischen Staatsregierung im Rahmen des Wasserpakts unterstützt, in dem sich 15 verschiedene Verbände und Organisationen zusammengeschlossen haben.

Schnurgerade verlief der Dietenbach südlich der Ortschaft Steinsdorf, Gemeinde Schönbrunn i. Steigerwald (Lkr. Bamberg) in seinem engen Bett. Zusammen mit einer Sohlbefestigung aus Betonschalen war die Situation sowohl in ökologischer Hinsicht als auch für die Hochwassergefahr alles andere als optimal. Diese Situation führte bisher zu einer sehr hohen Abflussgeschwindigkeit des Wassers, insbesondere nach stärkeren Niederschlägen. Und je höher die Abflussgeschwindigkeit, desto zerstörerischer die Kraft, die Wasser entwickeln kann. Die Hochwasserereignisse der letzten Jahre an der Donau oder in Simbach haben dies auf schreckliche Art bewiesen.

Aber auch kleinräumiger führen zunehmende Starkregenereignisse immer häufiger zu Überschwemmungen. Gerade die hohe Abflussgeschwindigkeit des Wassers aus der Fläche kann zu regelrechten Hochwasserwellen führen, die oft mit großem Bodenabtrag und damit Sediment- und Nährstoffeintrag in Gewässer einhergehen. Daher ist es ein sehr wichtiger Ansatz, bereits die relativ kleinen Zuflüsse dezentral mit Maßnahmen der Renaturierung und dem Bau von kleineren Regenrückhaltungen zum Schutz der Unterlieger umzugestalten.

So auch in Steinsdorf: Mit Unterstützung des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberfranken und Mitteln der Flurneuordnung legt die Teilnehmergemeinschaft Steinsdorf II zusammen mit der Gemeinde Schönbrunn im Steigerwald zwei naturnahe Rückhaltebecken an. Bei hoher Wasserführung wird aus dem Dietenbach Wasser in die Rückhaltungen abgezweigt. Diese wiederum geben das Wasser wieder dosiert in den Bach zurück. Damit wird versucht, das Entstehen von Hochwasserspitzen zu verhindern. Die Maßnahmen tragen in diesem Fall zum Rückhalt des Wassers in der Fläche sowie zum Schutz der Unterlieger an der Rauhen Ebrach bei. Der Dietenbach wird in diesem Bereich zudem renaturiert und teilweise verlegt, Ufer- und Sohlbefestigungen werden entfernt. Es entsteht ein naturnaher, mäandrierender Bachlauf mit deutlich geringerer Abflussgeschwindigkeit.
Ein neuer Fußweg, der für Pflegefahrzeuge befahrbar ist, wird entlang der Rückhaltungen in wassergebundener Bauweise angelegt. Damit steigt die Aufenthaltsqualität am Bachlauf, was sich die Steinsdorfer im Rahmen der Ländlichen Entwicklung auch explizit gewünscht haben. Die dafür benötigten Flächen konnte die Teilnehmergemeinschaft erwerben und für die Baumaßnahmen zur Verfügung stellen. Voraussichtlich 260.000 € werden die Maßnahmen kosten. Der Fördersatz durch das Amt für Ländliche Entwicklung liegt bei 88 %. Von einem weiteren Zusatznutzen konnten sich die Steinsdorferb bereits überzeugen: Die frostigen Tage Anfang März 2018 konnten zum Schlittschuhfahren in einem der zugefrorenen Rückhaltebecken genutzt werden.

Natürlich ist vorgesehen, auch den Schutz für die Steinsdorfer selbst zu erhöhen: Neben kleinen Wasserrückhaltungen, die in den letzten Jahren im Rahmen der Flurneuordnung Grub-Frenshof direkt an der Gemarkungsgrenze zu Steinsdorf gebaut wurde, besteht kurz vor der Ortschaft die Möglichkeit eine bereits vorhandene natürliche Rückhaltung so anzupassen, dass das Volumen erhöht wird. Diese Maßnahme befindet sich noch im Planungsstadium.

Ein weiteres Beispiel für den Ansatz, Gewässerschutz im Rahmen eines Verfahrens der Ländlichen Entwicklung zu unterstützen, sind die Maßnahmen der Ländlichen Entwicklung in Zips (Stadt Pegnitz, Lkr. Bayreuth). Unter anderem wurde entlang des Weihergrabens mit Hilfe der Bodenordnung beidseitig ein Uferschutzstreifen ausgewiesen und mittlerweile abgemarkt, der entweder komplett aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen oder unter Verzicht auf Pflanzenschutz- und Düngemaßnahmen bewirtschaftet wird. Damit wird die Gefahr eines Eintrags von Fremdstoffen in das Gewässer deutlich gemindert.
Innerorts bedurften die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse in Zips ebenfalls dringend einer Verbesserung. Insbesondere der Erlenbach trat nach intensiven Niederschlagsereignissen immer wieder über die Ufer und setzte sowohl die südliche Dorfstraße als auch die Ortsmitte, wo er in den Zipser Mühlbach mündet, immer wieder unter Wasser. Soweit möglich wurde der Erlenbach renaturiert, um die Fließgeschwindigkeit zu reduzieren. An der Engstelle in der Nähe der Einmündung in den Mühlbach konnte durch die Bereitschaft eines Anliegers zum Abbruch und Neubau seiner Scheune der Erlenbach verlegt und aufgeweitet werden. Dadurch konnte sogar noch genügend Platz für einen benötigten Gehweg gewonnen werden.

Der wirksamste Schutz vor Überschwemmungen besteht jedoch bekanntlich darin, dass möglichst wenig Wasser gleichzeitig in die Ortschaft fließt. Daher wurde - ebenfalls ermöglicht durch die Bodenordnung - ein Hochwasserrückhaltebecken Richtung Stemmenreuth gebaut. Mit dem Dammbauwerk von 139 Metern Länge, das sich bis zu 2,95 Meter über das Gelände erhebt, kann sich dort der Mühlbach im Ernstfall auf eine Fläche von rund 9.000 qm ausbreiten. Über den Damm verläuft ein Flurweg.

Zudem wurde südöstlich von Zips ein Hohlweg, der ankommendes Oberflächenwasser einer Gemeindeverbindungsstraße in den Erlenbach ableitet, für Zwecke des Wasserrückhalts und Sedimentfangs umgebaut. Insgesamt fünf Dämme mit einer Höhe von jeweils ca. zwei Metern sorgen kaskadenförmig angeordnet für ein Gesamtrückhaltevolumen von rund 440 cbm.

Eine komplette Freilegung für ein hundertjähriges Hochwasserereignis konnte für Zips mit diesen Maßnahmen aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und der engen Bebauung insbesondere am Erlenbach nicht erzielt werden. Aber es wird eine deutliche Verbesserung der hydraulischen Leistungsfähigkeit erreicht und bei Extremereignissen ein weitgehend kontrollierter Abfluss ermöglicht.